Kostenlos planen

VFRplan › Ratgeber

Masse und Schwerpunkt berechnen

Stand: 25.09.2026

Ein Flugzeug fliegt nur dann so, wie es das Handbuch beschreibt, wenn Masse und Schwerpunkt innerhalb der zugelassenen Grenzen liegen. Die Rechnung dafür – Weight and Balance – ist einfache Multiplikation und Addition. Fehler entstehen meist nicht beim Rechnen, sondern bei den Eingangswerten und beim vergessenen Landepunkt.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine Ausbildung und keine Einweisung auf dein Flugzeug. Maßgeblich sind das Flughandbuch mit seinem Beladeplan, der gültige Wägebericht deines Luftfahrzeugs und das geltende Recht. Die Zahlen im Beispiel sind frei gewählt und gelten für kein bestimmtes Muster.

Warum Masse und Schwerpunkt zählen

Zu viel Masse verlängert Start- und Landestrecken, verringert die Steigleistung und belastet die Struktur. Ein zu weit vorn liegender Schwerpunkt macht das Flugzeug kopflastig: Beim Abfangen zur Landung reicht das Höhenruder unter Umständen nicht mehr aus. Ein zu weit hinten liegender Schwerpunkt ist gefährlicher, weil das Flugzeug instabil werden und sich aus einem überzogenen Flugzustand schlecht oder gar nicht mehr beenden lassen kann.

Die Einhaltung der Betriebsgrenzen aus dem Flughandbuch gehört zur Flugvorbereitung des verantwortlichen Piloten; im nichtgewerblichen Betrieb regelt das Teil-NCO unter anderem in NCO.POL.100, das Wägen selbst in NCO.POL.105.

Die Begriffe

Leermasse und Leermoment aus dem Wägebericht

Ausgangspunkt ist immer der aktuelle Wägebericht deines Flugzeugs, nicht die Zahl aus dem Musterhandbuch oder aus dem Beispiel eines anderen Flugzeugs gleichen Typs. Jedes Flugzeug wiegt anders – Ausstattung, Avionik, Lackierung und Reparaturen machen schnell einige Kilogramm aus. Der Wägebericht nennt Leermasse und Leermoment bzw. den Leermassenschwerpunkt. Prüfe, was in der Leermasse enthalten ist: meist nicht ausfliegbarer Kraftstoff und Öl, manchmal nur ein Teil davon. Nach Umbauten wird der Wägebericht fortgeschrieben oder neu erstellt – nimm immer die jüngste gültige Fassung.

Die Rechnung Schritt für Schritt

  1. Leermasse und Leermoment aus dem Wägebericht eintragen.
  2. Für jede Station (Vordersitze, Rücksitze, Gepäck, Tanks) die Masse eintragen und mit dem Hebelarm multiplizieren. Personen realistisch wiegen, nicht schätzen – mit Kleidung und Headset.
  3. Kraftstoff in Masse umrechnen. Für Avgas 100LL rechnet man üblicherweise mit etwa 0,72 kg je Liter; für andere Kraftstoffe nimm den Wert aus dem Handbuch.
  4. Massen und Momente addieren, Gesamtmoment durch Gesamtmasse teilen.
  5. Gesamtmasse gegen die höchstzulässige Startmasse und die Beladegrenzen je Station prüfen (etwa höchstzulässige Gepäckmasse).
  6. Den Punkt (Masse, Schwerpunkt) in die Hüllkurve des Handbuchs eintragen.
  7. Die Rechnung für die Landung wiederholen: mit der Kraftstoffmenge, die bei der Landung voraussichtlich noch an Bord ist.

Die Hüllkurve

Die Hüllkurve (Envelope) zeigt, welche Kombinationen aus Masse und Schwerpunkt zulässig sind. Ihre vordere Grenze verläuft oft schräg: Bei höherer Masse wandert die vordere Schwerpunktgrenze nach hinten. Viele Muster haben zwei Bereiche – die Normalkategorie und die kleinere Nutzkategorie (Utility), die für bestimmte Manöver einzuhalten ist, etwa für absichtlich eingeleitetes Trudeln, sofern das Handbuch es überhaupt zulässt. Manche Handbücher stellen die Grenzen als Moment über Masse dar statt als Schwerpunktlage; das Prinzip bleibt gleich.

Kraftstoffverbrauch verschiebt den Schwerpunkt

Während des Flugs sinkt die Masse, und der Schwerpunkt wandert – je nachdem, ob die Tanks vor oder hinter dem aktuellen Schwerpunkt liegen. Liegen die Tanks hinter dem Schwerpunkt, wandert er mit dem Verbrauch nach vorn; liegen sie davor, nach hinten. Deshalb prüfst du immer zwei Punkte: Start und Landung. Die Verbindungslinie zwischen beiden muss vollständig in der Hüllkurve liegen. Einige Handbücher verlangen zusätzlich eine Prüfung mit leeren Tanks (Zero Fuel), und manche Muster haben eine eigene höchstzulässige Landemasse.

Beispielrechnung (frei gewählte Werte)

Angenommene Grenzen: höchstzulässige Startmasse 950 kg, Schwerpunktbereich 2,10 m bis 2,35 m hinter der Bezugsebene (vereinfacht als Rechteck), Gepäck höchstens 50 kg.

Start
StationMasseHebelarmMoment
Leermasse (Wägebericht)680 kg2,20 m1496,0 kg·m
Pilot und Begleitung vorn160 kg2,05 m328,0 kg·m
Gepäck20 kg3,00 m60,0 kg·m
Kraftstoff 100 l × 0,7272 kg2,40 m172,8 kg·m
Summe932 kg2,207 m2056,8 kg·m

Startmasse 932 kg (unter 950 kg), Schwerpunkt 2056,8 ÷ 932 = 2,207 m – innerhalb der Grenzen.

Für die Landung sind 50 l verbraucht, es bleiben 50 l = 36 kg mit einem Moment von 86,4 kg·m. Landemasse: 932 − 36 = 896 kg, Moment 2056,8 − 86,4 = 1970,4 kg·m, Schwerpunkt 1970,4 ÷ 896 = 2,199 m. Weil die Tanks hinter dem Schwerpunkt liegen, ist er etwas nach vorn gewandert – hier unkritisch. Säße aber ein schwerer Pilot allein vorn und wäre der Gepäckraum leer, könnte der Landepunkt vor die vordere Grenze rutschen, obwohl der Startpunkt noch passt.

Typische Fehler

Die Masse ist zudem Eingangswert für die Leistungsrechnung: Wie sie die Strecken verlängert, steht im Artikel Start- und Landestrecke berechnen.

So hilft VFRplan

In VFRplan trägst du Leermasse und Leermoment aus deinem Wägebericht ein, dazu Personen, Gepäck und Kraftstoff in Litern, US-Gallonen, Kilogramm oder Pfund. VFRplan zeichnet die Hüllkurve für Normal- und Nutzkategorie mit den Punkten für Start und Landung, prüft die Beladegrenzen je Station und rechnet den Landepunkt mit dem Kraftstoff, der nach deiner geplanten Route voraussichtlich noch an Bord ist. Hebelarme, Grenzmassen und Schwerpunktgrenzen kannst du aus einem von rund 90 hinterlegten Mustern übernehmen – und prüfst sie gegen dein Flughandbuch. Deine Flugzeuge bleiben in deinem Browser.