Kraftstoffplanung mit Endreserve
Stand: 29.10.2026
Du startest nur, wenn der Kraftstoff an Bord für den Flug zum Zielflugplatz plus eine Endreserve reicht. So steht es in NCO.OP.125. Für VFR-Flüge mit Flugzeugen am Tag nennt die EASA als Mindestwert der Endreserve 30 Minuten. Dazu kommen Rollen, Steigflug, Zuschläge für Verzögerungen und der Kraftstoff für die Ausweichmöglichkeit. Unten steht, was davon Pflicht ist, und ein Rechenbeispiel.
Dieser Artikel ist eine Erläuterung, keine Rechtsauskunft, und ersetzt keine Ausbildung. Maßgeblich sind der Wortlaut der Verordnung (EU) Nr. 965/2012 in der geltenden Fassung, die AMC und GM der EASA, das Flughandbuch deines Flugzeugs und die Vorgaben deines Vereins.
Was NCO.OP.125 verlangt
NCO.OP.125 steht im Teil-NCO, dem Anhang VII der Verordnung (EU) Nr. 965/2012. Die heutige Fassung gilt seit dem 30.10.2022 (Durchführungsverordnung (EU) 2021/1296). Sie hat drei Absätze:
- (a) Genug Kraftstoff: Die Menge an Bord muss reichen, mit Blick auf Wetter, alles, was die Leistung des Flugzeugs beeinflusst, erwartete Verzögerungen und unvorhergesehene Ereignisse, mit denen man vernünftigerweise rechnen muss.
- (b) Endreserve: Du planst eine Menge, die als Endreserve geschützt bleibt, damit eine sichere Landung möglich ist. Für ihre Höhe berücksichtigst du zuerst, wie schwer eine Notlandung ohne Kraftstoff Personen oder Sachen gefährden würde, und danach, wie wahrscheinlich unerwartete Umstände sind, die die Reserve aufzehren.
- (c) Startbedingung: Du beginnst einen Flug nur, wenn der Kraftstoff für den Flug zum Landeort plus Endreserve reicht. Ist ein Ausweichflugplatz gefordert, kommt der Flug dorthin hinzu.
Eine Minutenzahl steht in der Vorschrift selbst nicht. Die frühere Fassung bis zum 29.10.2022 (Verordnung (EU) Nr. 800/2013) nannte noch 30 Minuten bei normaler Reiseflughöhe für VFR am Tag.
Die Endreserve: 30 Minuten am Tag
Die Mindestwerte stehen in den annehmbaren Nachweisverfahren (AMC) der EASA zu NCO.OP.125(b). Für Flugzeuge gilt:
| Flug | Endreserve | gerechnet mit |
|---|---|---|
| VFR am Tag | 30 min | Wartegeschwindigkeit in 1500 ft über dem Ziel |
| VFR am Tag, Start und Landung am selben Platz, Platz immer in Sicht | 10 min | höchster Dauerleistung im Reiseflug in 1500 ft über dem Ziel |
| VFR bei Nacht und IFR | 45 min | Wartegeschwindigkeit in 1500 ft über dem Ziel oder Ausweichplatz |
Drei Punkte aus den übrigen AMC und GM zur Endreserve:
- Lege die Endreserve vor dem Flug als Zahl fest, die du dir leicht merkst, etwa „15 Liter“. Daran misst du unterwegs den Tankinhalt (AMC2).
- Die Endreserve ist kein Puffer für Umwege oder Gegenwind. Fällt der Kraftstoff an Bord unter die Endreserve, ist das ein Notfall (AMC3).
- Nennt dein Flughandbuch keinen Verbrauch für das Warten, leitest du ihn aus dem Reiseflug mit größter Reichweite ab, sonst aus der niedrigsten Leistungseinstellung der Leistungstabelle (GM2).
Ein AMC ist kein Gesetz. Wer weniger plant, muss anders nachweisen können, dass die Endreserve nach NCO.OP.125(b) genügt. Dein Verein kann mehr als 30 Minuten vorschreiben.
Was noch in die Rechnung gehört
Teil-NCO schreibt keine Gliederung des Kraftstoffs vor. Die Vorschrift verlangt nur, dass die Menge für den Flug mit allem Erwartbaren reicht. Eine Aufstellung in diesen Posten hat sich bewährt:
- Rollen: Kraftstoff für Anlassen, Warmlaufen, Rollen und Abbremsen vor dem Start.
- Strecke: Reiseflug mit Wind, dazu der Mehrverbrauch im Steigflug. Den Verbrauch je Stunde nimmst du aus der Leistungstabelle des Flughandbuchs für Höhe, Drehzahl und Gemisch.
- Zuschläge: Zeit für Abflugverfahren, Platzrunde, Warten auf eine Freigabe oder einen Umweg um Wetter. Das deckt NCO.OP.125(a) mit den erwarteten Verzögerungen ab.
- Ausweichflug: der Flug vom Ziel zu einem Ausweichplatz, mit Rollen nach der Landung dort.
- Endreserve: wie oben.
Einen pauschalen Zuschlag in Prozent für Unvorhergesehenes kennt der Teil-NCO nicht. Für den gewerblichen Luftverkehr nennt Teil-CAT mindestens 5 % des Streckenkraftstoffs. Das kannst du als Anhaltspunkt nehmen, Pflicht ist es für Privatflüge nicht.
Einen Ausweichflugplatz festlegen musst du nach dem Teil-NCO nur bei IFR-Flügen (NCO.OP.140). NCO.OP.135 verlangt aber für Überlandflüge eine Ausweichmöglichkeit für den Fall, dass das Wetter den Flug wie geplant nicht zulässt. Der Kraftstoff dafür gehört nach NCO.OP.125(a) in die Rechnung.
Nicht ausfliegbarer Kraftstoff
Ein Teil des Tankinhalts erreicht den Motor nicht. Das Flughandbuch nennt in den Betriebsgrenzen den Gesamtinhalt und den ausfliegbaren Anteil. Rechne nur mit dem ausfliegbaren Kraftstoff. Auch NCO.OP.185 spricht von der ausfliegbaren Menge, die du im Flug überwachst. Steht im Flughandbuch nur der Gesamtinhalt, frag beim Halter oder in der Werft nach.
Im Flug: MINIMUM FUEL und MAYDAY FUEL
Unterwegs überwachst du den ausfliegbaren Kraftstoff. Er darf nicht unter die Menge sinken, die du bis zu einem Flugplatz mit sicherer Landung brauchst. Bei einem kontrollierten Flug meldest du „MINIMUM FUEL“, wenn du dich auf einen Landeplatz festgelegt hast und jede weitere Verzögerung die Endreserve angreifen würde. Vorrang bekommst du dadurch nicht. Reicht der Kraftstoff bis zur nächsten sicheren Landung voraussichtlich nicht mehr für die Endreserve, meldest du „MAYDAY MAYDAY MAYDAY FUEL“. Bei unkontrollierten Flügen sind beide Meldungen nicht vorgeschrieben, aber möglich.
Rechenbeispiel
Überlandflug mit Ausweichplatz
Ein Viersitzer mit erfundenen Beispielwerten, kein reales Muster: Tankinhalt 120 L, davon 114 L ausfliegbar. Verbrauch im Reiseflug 30 L/h, Rollen 5 L je Start. Startplatz auf 500 ft, Reiseflughöhe 3500 ft. Strecke 105 NM, Geschwindigkeit über Grund 90 kt. Ausweichplatz 30 NM hinter dem Ziel. Zuschläge je 5 Minuten für Abflug und Anflug. An Bord 100 L.
| Posten | Rechnung | Liter |
|---|---|---|
| An Bord | 100,0 | |
| − nicht ausfliegbar | 120 L − 114 L | 6,0 |
| − Rollen | 5,0 | |
| − Strecke inkl. Steigflug und Zuschlägen | 105 NM ÷ 90 kt = 70 min ergibt 35,0 L; Steigflug 3000 ft × 1 L je 1000 ft = 3,0 L; Zuschläge 10 min ergibt 5,0 L | 43,0 |
| − Ausweichflug | 30 NM ÷ 90 kt = 20 min ergibt 10,0 L; Rollen 5,0 L; Zuschläge 10 min ergibt 5,0 L | 20,0 |
| − Endreserve 30 min | 30 L/h × 0,5 h | 15,0 |
| = Überschuss | 11,0 |
Der Überschuss ist positiv, der Kraftstoff reicht. Mit 85 L an Bord fehlen 4 L. Dann tankst du mehr, planst einen Tankstopp oder verzichtest auf weiter entfernte Ausweichplätze, sofern ein näherer geeignet ist.
Einen Sinkflug rechnet das Beispiel wie Reiseflug, ohne Gutschrift. Die Endreserve ist mit dem Reiseflugverbrauch gerechnet. Kennt dein Flughandbuch einen Verbrauch für das Warten, rechne damit, wie oben beschrieben. Der Mehrverbrauch im Steigflug von 1 L je 1000 ft ist ein Beispielwert. Genauer ist die Steigflugtabelle deines Flughandbuchs.
Hinweise für die Planung
- Prüfe die getankte Menge vor dem Start mit Sichtprüfung oder Peilstab. Die Tankanzeige allein reicht dafür nicht.
- Rechne bei mehreren Etappen jede Etappe für sich, mit dem Kraftstoff, der beim Start dieser Etappe an Bord ist.
- Plane mit dem Wind in Reiseflughöhe. Gegenwind verlängert die Flugzeit und damit den Verbrauch.
- Mehr Kraftstoff heißt mehr Masse. Prüfe Masse und Schwerpunkt und die Startstrecke mit der tatsächlichen Menge.
Geschrieben von Sebastian Lemens, Privatpilot im Vereinsbetrieb und Entwickler von VFRplan.
So rechnet VFRplan
VFRplan stellt den Kraftstoff je Etappe in derselben Gliederung auf wie das Beispiel: „An Bord“, „nicht ausfliegbar“, „Rollen“, „Strecke inkl. Steig-/Sinkflug und Zuschlägen“, „Ausweichflug“ und die Endreserve, darunter der Überschuss. Abzüge rundet die Planung auf 0,1 L auf. Die Strecke rechnet sie mit dem Wind in Reiseflughöhe je Abschnitt, den Steigflug aus dem Steigflugdiagramm, mindestens aber mit dem eingetragenen Mehrverbrauch je 1000 ft. Für den Sinkflug zum Ziel gibt es eine Gutschrift, wenn für das Flugzeug Sinkflugdaten hinterlegt sind; im Beispiel oben fehlt sie. Die Felder „Zuschlag Abflug“ und „Zuschlag Anflug“ zählen als Flugzeit mit Reiseflugverbrauch. Den Ausweichflug rechnet VFRplan direkt vom Ziel zum Ausweichplatz, mit Rollen und den Zuschlägen, und zieht ihn vom Kraftstoff der letzten Etappe ab.
Die Endreserve ist auf 30 Minuten voreingestellt und wird mit dem Verbrauch des gewählten Reiseflugprofils gerechnet. Eine Vereinsversion kann mehr vorschreiben, für Lokalflüge auch weniger, aber nie unter 10 Minuten. Eine Lokalreserve unter 30 Minuten rechnet VFRplan mit dem höchsten Verbrauch, den das Flugzeug kennt, weil die AMC dafür höchste Dauerleistung verlangt. Trägst du weniger als die Mindestreserve ein, meldet VFRplan rot. Reicht der Kraftstoff nicht, meldet VFRplan rot: „Kraftstoff …: 4 L zu wenig für Strecke und Reserve. Mehr tanken oder Tankstopp einplanen.“ Liegt der Überschuss unter der Hälfte der Endreserve, kommt ein gelber Hinweis. Die Aufstellung steht auch auf dem A4-Blatt.